Notarfachangestellte (*)

Azubi Stellenmarkt Notarfachangestellte Nora

Notarfachangestellte Nora ist das „No“ der ReNoPat Berufe. Notarfachangestellte werden von Notaren ausgebildet. Sie sind die Fachangestellten im Notariat und kümmern sich um Urkunden und Register im Sinne der vorsorgenden Rechtspflege.

Warum hat sich Nora für den Beruf der Notarfachangestellten entschieden?

Nora war mit ihren Eltern bei einem Notar, als die Familie ein Grundstück gekauft hat. Mit der Notarfachangestellten haben sie einen Termin zur Vertragsunterzeichnung vereinbart. Als Käufer und Verkäufer im Notariat anwesend waren, hat der Notar den gesamten Text des Kaufvertrages Wort für Wort laut vorgelesen. Was Nora zuerst etwas komisch fand. 🙂 Aber es machte dann doch irgendwie Sinn, denn anschließend wurden alle Beteiligten gefragt, ob sie mit dem Vertragstext einverstanden sind. In Anwesenheit des Notars haben dann beide Seiten den Vertrag unterschrieben. Obwohl es ganz sachlich und formal zuging, war es fast ein bisschen feierlich. Alle waren zufrieden und die Notarfachangestellte hat erklärt, wie der Kaufvertrag nun abgewickelt und die Urkunde ausgefertigt wird. Nora hat verstanden, dass es im Notariat darum geht, Willenserklärungen vorsorglich bei einer Amtsperson zu hinterlegen. Das nennt man vorsorgende Rechtspflege.

Notare sind Amtsträger

Als unabhängiger und unparteiischer Träger eines öffentlichen Amtes ist der Notar für die Beurkundung von Willenserklärungen auf dem Gebiet der vorsorgenden Rechtspflege tätig. Aktuell gibt es in Deutschland ca. 6.760 Notare. Das öffentliche Amt des Notars wird ihnen verliehen. Man kann sich als Notar also nicht selbständig machen, sondern wird von der Justiz in sein Amt berufen. Vorsorgende Rechtspflege bedeutet, dass im besten Fall aufgrund der vorsorglichen Beratung und Vermittlung des Notars zwischen den Beteiligten ein Gerichtsprozess vermieden wird. Deshalb ist es in einigen Bereichen gesetzlich vorgeschrieben, dass die Angelegenheit notariell beurkundet werden muss. Die Urkunde wird amtlich erfasst und in ein staatliches Register eingetragen. Noras Eltern wurden als Eigentümer ihres Grundstücks im Grundbuch ihres Heimatortes eingetragen und haben darüber eine Urkunde mit dem Siegel des Notars erhalten.

Notarfachangestellte Siegel Notar

Mit Brief und Siegel

Was notariell beglaubigt und beurkundet wurde, ist rechtskräftig und wird besiegelt. Wie das alte Sprichwort sagt: Darauf gebe ich dir Brief und Siegel. Jeder Notar führt ein Amtssiegel. Das Siegel gibt es als Farbdrucksiegel aber auch noch mit Siegellack. Obwohl es heute elektronische Signaturen gibt, und die Arbeit im Notariat digital abläuft, findet man beim Notar noch einige nostalgische Dinge. Jeder Azubi lernt in der Ausbildung wie man eine Urkunde näht und eine Siegeloblate verklebt.

Familienrecht und Erbrecht

Das interessante und besondere am Notariat ist, dass es alle Lebensbereiche des Menschen berührt – von der Geburt bis zum Tod. Besonders deutlich wird dies in Bezug auf die Familie. Die erste Urkunde, die jeder erhält, ist die Geburtsurkunde. Bis zur Ausstellung der Sterbeurkunde führt der Mensch ein aufregendes Leben. Meist mit einer Eheschließung und vorsorglich mit Ehevertrag, Kindesgeburt, leider auch mit Scheidung, Sorgerechtsstreit oder Vaterschaftsanerkennung und Unterhaltszahlung, mit der Erbschaft von den Großeltern, dem Erbstreit mit den Geschwistern, mit der Vorsorgevollmacht und Betreuungsurkunde und schließlich mit dem letzten Willen, dem Testament für die Erben.

Immer mehr dieser Fälle werden von Familienangehörigen vorsorglich mit Unterstützung von Notaren geregelt. Und das ist gut so, denn nur was notariell beurkundet ist, kann auch ohne Prozess vollstreckt werden. In der Ausbildung der Notarfachangestellten nimmt das Familienrecht und Erbrecht eine zentrale Rolle ein, denn es betrifft den privaten Teil der Bürger und ist somit unsterblich, solange es Menschen gibt. Nora gefällt es, wenn sich die Menschen mit ihren Anliegen und Absichten an sie wenden. Sie hat gelernt, wie wichtig es ist aufmerksam zuzuhören.

Zivilrecht und Bürgerliches Gesetzbuch

Für die Bearbeitung der Rechtsbeziehungen zwischen privaten Personen erlernt die Notarfachangestellte den Umgang mit dem BGB. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt das deutsche allgemeine Privatrecht. Es wird auch häufig als Zivilrecht bezeichnet. Das BGB ist übrigens von 1900 und hat Kaiser und Kriege überlebt. Es gilt in der Bundesrepublik Deutschland als Bundesrecht. Die jeweils aktuelle Fassung wird vom Bundesamt für Justiz im Internet veröffentlicht. Dennoch gehört das gedruckte Buch zur Standardausstattung einer Notarfachangestellten. Man muss die Paragrafen nicht auswendig lernen, aber wissen, wo man in den fünf Büchern des BGB suchen muss.

Gesellschaftsrecht und Immobilienrecht

Was Nora besonders spannend findet, sind die Verträge und Urkunden die der Notar für gewerbliche Mandanten also für Unternehmer und Unternehmen erstellt. Jede Unternehmensgründung und jeder Kauf oder Verkauf von Firmenanteilen muss vom Notar beurkundet werden. Ebenso wie der Bau, Kauf und Verkauf von Immobilien, Eigentumswohnungen und Grundstücken. Das sind dann sehr umfangreiche Verträge, teilweise auch mit Auslandbezug. Wer mit Verträgen und Urkunden arbeitet, muss sehr gute Deutschkenntnisse haben und auch die englische Sprache wird immer wichtiger. Schließlich geht es immer darum, dass jeder Beteiligte versteht, was er unterschreibt.

 

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(*) Leider gibt es nicht nur wenig NoFas, sondern vor allem sehr wenig junge Männer, die sich für den Beruf des Notarfachangestellten entscheiden. Der Beruf wurde auch in der Vergangenheit fast ausschließlich von Frauen ausgeübt, weshalb sich im  allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Die NoFa“ durchgesetzt hat. Ich habe die weibliche Form für meine Texte übernommen, damit es sich leichter liest. Ich wäre aber sehr froh, wenn es zukünftig mehr männliche NoFas gäbe. Gemischte Teams sind einfach entspannter. 🙂